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Inflation in der Schweiz und ihr Einfluss auf den Zinseszinsrechner

Inflation in der Schweiz und ihr Einfluss auf den Zinseszinsrechner

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Inflation in der Schweiz beeinflusst die reale Rendite und Kaufkraft erheblich. Erfahre, wie du mit dem Zinseszinsrechner realistische Werte berechnest und dein Vermögen langfristig vor Geldentwertung schützt.

Die Inflation ist ein stiller, aber mächtiger Faktor in der Finanzwelt. Sie bestimmt, wie viel wir uns im Alltag leisten können und wie schnell unser Erspartes an Kaufkraft verliert. Während viele Menschen beim Sparen oder Investieren auf den Zinseszins setzen, vergessen sie oft, dass der Zinseszinsrechner ohne Anpassung nur nominale Werte liefert. Das bedeutet, er zeigt zwar einen wachsenden Kontostand, doch dieser Zuwachs sagt nichts darüber aus, wie viel man sich in Zukunft tatsächlich davon kaufen kann.

Gerade in der Schweiz, die für ihre Stabilität bekannt ist, hat die Inflation in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. Um die reale Rendite zu verstehen, lohnt sich ein genauer Blick auf die Inflationsentwicklung und ihre Folgen für langfristige Geldanlagen.

Entwicklung der Inflation in der Schweiz

Die Schweiz ist im internationalen Vergleich ein Land mit niedriger Inflation. Dies liegt an der stabilen Währung, an der Unabhängigkeit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und an der besonderen Struktur der Wirtschaft. Dennoch ist die Teuerung auch hierzulande spürbar, insbesondere in den Jahren 2021 bis 2023.

Einige Eckpunkte der letzten Jahre:

  • 2018: rund 0,9 Prozent
  • 2019: etwa 0,4 Prozent
  • 2020: pandemiebedingt –0,7 Prozent (leichte Deflation)
  • 2021: rund 0,6 Prozent
  • 2022: kräftiger Anstieg auf 2,8 Prozent
  • 2023: Rückgang auf 2,1 Prozent
  • 2024: stabile 1,1 Prozent

Durchschnittswerte:

  • Über die letzten zehn Jahre lag die durchschnittliche Inflation bei etwa 0,6 Prozent pro Jahr
  • Über die letzten zwanzig Jahre bei rund 1,0 bis 1,2 Prozent pro Jahr

Diese Werte sind zwar deutlich niedriger als in der Eurozone oder den USA, dennoch haben sie spürbare Effekte auf die Kaufkraft und damit auch auf die Berechnungen im Zinseszinsrechner.

Auswirkungen auf die Bevölkerung

Inflation zeigt sich in vielen Bereichen des Alltags. Energie, Mobilität und Lebensmittel sind spürbar teurer geworden. Familien müssen ihr Budget genauer planen, vergleichen häufiger Preise und verschieben grössere Anschaffungen. Besonders spürbar ist der Effekt bei Mieten und Hypotheken. Da die SNB auf steigende Inflation mit höheren Leitzinsen reagiert, erhöhen sich die Kosten für Finanzierungen.

Für Sparerinnen und Sparer ist die Lage ebenfalls herausfordernd. Wer sein Geld auf einem Sparkonto mit tiefem Zinssatz liegen lässt, verliert bei einer Inflationsrate von über einem Prozent jährlich Kaufkraft. Auch in der Pensionskasse oder bei langfristigen Anlagen zeigt sich, dass nur eine Rendite oberhalb der Inflationsrate zu realem Vermögenszuwachs führt.

Schutz vor Inflation

Da die Inflationsrate immer als Durchschnittswert berechnet wird, kann die persönliche Situation stark davon abweichen. Wer zum Beispiel viel Geld für Energie oder Lebensmittel ausgibt, spürt Preissteigerungen dort deutlicher. Eine Möglichkeit, die eigene „persönliche Inflationsrate“ zu senken, besteht darin, bewusster zu konsumieren und Ausgaben in besonders betroffenen Bereichen zu reduzieren, sofern das im Alltag möglich ist.

Für Anlegerinnen und Anleger gilt: Negative Realzinsen machen es unattraktiv, Geld langfristig in Sparkonten, Tagesgeld oder Giroeinlagen zu belassen. Diese bringen zwar Sicherheit, verlieren aber Jahr für Jahr an Kaufkraft.Eine bessere Strategie ist es, breit gestreut und langfristig, mindestens über 15 Jahre, in Anlageklassen wie Aktienfonds zu investieren. Diese bieten historisch gesehen eine Rendite, die deutlich über der Inflation liegt.

Produkte mit eingebautem „Inflationsschutz“ sind auf dem Schweizer Markt zwar vorhanden, sie lohnen sich jedoch meist nicht. Oft verursachen sie zusätzliche Kosten und mindern dadurch die Gesamtrendite. Wer konsequent langfristig investiert, kann das Inflationsrisiko auch ohne solche Spezialprodukte abfedern.

Ursachen für Inflation

Die Gründe für Inflation sind vielseitig und überschneiden sich oft:

  • Kosten: Sprunghaft steigende Energiepreise, Transportkosten oder Rohstoffpreise können eine Kettenreaktion auslösen. Unternehmen geben höhere Kosten an Konsumenten weiter, was Preise antreibt.
  • Nachfrage: Wenn die Nachfrage nach bestimmten Gütern das Angebot übersteigt, steigen die Preise. In der Schweiz zeigte sich dies zuletzt beim Wohnungsmarkt.
  • Währungskurs: Eine starke Abwertung des Schweizer Frankens würde Importe verteuern, was die Preise im Inland steigen lassen könnte. Umgekehrt dämpft die Stärke des Frankens die Inflation.
  • Geldmenge: Ein zu starkes Wachstum der Geldmenge im Verhältnis zur Produktion kann Inflation begünstigen. Die Schweizerische Nationalbank steuert daher sehr bewusst die Liquidität.
  • Löhne: Deutlich steigende Löhne können die Produktionskosten erhöhen und damit eine Preis-Lohn-Spirale in Gang setzen.
  • Politik: Politische Entscheidungen, wie Mindestlöhne, Energiepolitik oder aussenpolitische Spannungen, können die Inflation direkt oder indirekt beeinflussen.

Inflation und Zinseszinsrechner

Ein Zinseszinsrechner ist ein nützliches Werkzeug, um zu verstehen, wie sich Geld über die Jahre entwickelt. Er berechnet, wie aus einem Startkapital durch jährliche Zinsen ein grösseres Endkapital wird. Doch ohne Inflationskorrektur zeigt er nur die nominale Entwicklung, nicht die reale Kaufkraft.

Die Faustregel lautet:

Realer Zins ≈ Nominalzins − Inflationsrate

Für genauere Berechnungen wird die sogenannte Fisher-Gleichung verwendet:

(1 + Nominalzins) = (1 + Realzins) × (1 + Inflation)

Beispielrechnung mit dem Zinseszinsrechner 

Um die Wirkung der Inflation zu zeigen, nehmen wir ein einfaches Beispiel:

  • Startkapital: CHF 10’000.-
  • Nominalzins: 6 Prozent pro Jahr
  • Inflation: 1,1 Prozent pro Jahr
  • Laufzeit: 25 Jahre

Szenario A – ohne Inflation

Formel:
Endkapital = 10’000 × (1 + 0,06)^25

Berechnung:
Endkapital = 10’000 × 4’292 = CHF 42’920.-
Nominaler Gewinn: CHF 32’920.-

Szenario B – mit Inflation (vereinfachte Methode)

Realer Zins = 6,0 % − 1,1 % = 4,9 %

Formel:
Endkapital = 10’000 × (1 + 0,049)^25

Berechnung:
Endkapital = 10’000 × 3’294 = CHF 32’940.-
Realer Gewinn: CHF 22’940.-

Szenario C – exakte Fisher-Berechnung

Realer Zins = (1 + 0,06) ÷ (1 + 0,011) − 1 = 4,85 %

Formel:
Endkapital = 10’000 × (1 + 0,0485)^25

Berechnung:
Endkapital = 10’000 × 3’244 = CHF 32’440.-
Realer Gewinn: CHF 22’440.-

Fazit der Berechnung

Der Unterschied ist enorm. Ohne Inflation hätte man nach 25 Jahren CHF 42’920.-, in Kaufkraft gemessen bleiben jedoch nur rund CHF 32’440.-. Die Inflation verringert den Wert des Vermögens also um über CHF 10’000.-, obwohl der Kontostand auf den ersten Blick beeindruckend wirkt.

Zusammenfassung

Die Inflation in der Schweiz ist im internationalen Vergleich niedrig, aber keineswegs bedeutungslos. Mit durchschnittlich 0,6 Prozent in den letzten zehn Jahren und rund 1,0 bis 1,2 Prozent über zwanzig Jahre verändert sie die reale Rendite jeder Geldanlage. Ein Zinseszinsrechner zeigt ohne Inflationskorrektur nur nominale Werte und kann dadurch falsche Sicherheit vermitteln.

Das Beispiel mit CHF 10’000.-, einem Nominalzins von 6 Prozent und einer Inflationsrate von 1,1 Prozent über 25 Jahre zeigt: Nominal wächst das Kapital auf CHF 42’920.-, real bleiben jedoch nur CHF 32’440.- übrig. Die Differenz von über CHF 10’000.- macht klar, dass Inflation in jede Berechnung integriert werden muss. Nur so lassen sich Sparziele, Altersvorsorge und Investitionen realistisch planen.

FAQs

Was ist die reale Rendite?

Die reale Rendite ist die um Inflation bereinigte Rendite, sie zeigt die Kaufkraftentwicklung des Vermögens.

Wie kann ich Inflation im Zinseszinsrechner berücksichtigen?

Entweder durch Abzug der Inflationsrate vom Nominalzins oder durch die exakte Fisher-Gleichung.

Warum ist die Inflation in der Schweiz niedriger als anderswo?

Der starke Franken, die Stabilität der Wirtschaft und die Politik der Schweizerischen Nationalbank halten die Teuerung im Durchschnitt niedrig.

Wie oft sollte ich meine Berechnungen aktualisieren?

Mindestens einmal pro Jahr, um die jeweils aktuelle Inflationsentwicklung einzubeziehen.

Was bedeutet das für die Altersvorsorge?

Wer nur nominale Werte betrachtet, überschätzt seine Kaufkraft im Alter. Deshalb sollten immer reale Werte in die Planung einbezogen werden.

Welche Anlagestrategie schützt am besten vor Inflation?

Langfristiges, breit gestreutes Investieren in Aktien oder ETFs ist eine bewährte Methode, um die Inflation langfristig auszugleichen und die Kaufkraft zu erhalten.

Schütze dein Geld vor stiller Entwertung

Inflation frisst Kaufkraft, langsam, aber stetig. Wenn du deine langfristige Finanzplanung realistisch gestalten möchtest, solltest du nicht nur auf nominale Renditen achten. Unsere Experten zeigen dir, wie du mit inflationsbereinigten Berechnungen und einer passenden Anlagestrategie dein Vermögen real wachsen lässt.